Notfallservice
  • Kommunikation für alle: Behindertenrat besucht Klinikum

    Verständigung im Krankenhaus ist voller Herausforderungen - besonders für Menschen mit Handicap. Behindertenrat und Klinikum stehen im Austausch.

22.09.2026

Wie gelingt Kommunikation im Krankenhaus, wenn Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben? Mit dieser Frage setzten sich sieben Mitglieder des Behindertenrats der Stadt Nürnberg bei ihrem Besuch im Klinikum Nürnberg auseinander.

Im Gespräch mit Mitarbeitenden auf dem Campus Süd ging es vor allem um Hürden bei der Verständigung und darum, wie sich die Kommunikation im Klinikalltag barrierefreier gestalten lässt. „Wir lernen von Ihnen“, betonte Gertrud Müller, Ansprechpartnerin für Menschen mit Behinderung in der Abteilung Unternehmensentwicklung.

Das Klinikum Nürnberg steht regelmäßig im Austausch mit dem Behindertenrat. Der Nachmittag, geprägt von Impulsvorträgen und Gesprächsrunden, bot Raum, um die Herausforderungen der Informationsvermittlung im Krankenhaus zu beleuchten. Ob medizinische Fachbegriffe, komplizierte Erklärungen, fehlende Orientierung oder die Ansprache der Patienten – Kommunikation kann auf vielfältige Weise zur Hürde werden, fasste Dr. Susanne Jauch zusammen, die dem Gesundheitsausschuss im Rat angehört.

Menschen mit Behinderung direkter einbeziehen

„Oft reichen kleine Veränderungen, um viel zu bewirken. Es muss nicht kompliziert sein“, erklärte Peter Vogt, Vorsitzender des Behindertenrats. „Wie man spricht, wie man aufeinander eingeht – das macht den Unterschied. Auch wir als behinderte Community müssen uns bemerkbar machen.“ Entscheidend sei, Betroffene einzubeziehen und sie nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Barrierefreiheit bedeute für einen Gehörlosen in der Notaufnahme etwas anderes als für einen Rollstuhlfahrer oder ihn selbst als Blinden.

Ein Schwerpunkt des Treffens war die Leichte Sprache. Wie lassen sich medizinische Inhalte so erklären, dass sie möglichst viele Menschen verstehen? Hier bestehe noch Nachholbedarf, stellte Gertrud Müller fest. Ebenso diskutierten die Teilnehmenden die Bedeutung einer klaren, wertschätzenden Kommunikation in der Pflege. Kevin Machuletz, pflegewissenschaftlicher Mitarbeiter der Pflegedirektion Campus Süd, berichtete, dass man die Anregung aufgreifen wolle, in der Pflegeanamnese auch zu erfassen, wie Patienten mit ihrer Behinderung umgehen und welche Unterstützung sie benötigen.

Nele Haberkern, Gerontologin im Zentrum für Altersmedizin des Klinikums, hob die Bedeutung der Gebärdensprache hervor. Steht kein Dolmetscher bereit, etwa im Notfall, nutzt das Klinikum die Notfallbereitschaft des Landesverbands der Gehörlosen, die per WhatsApp-Videoanruf erreichbar ist. Schulungen, Sensibilisierung der Mitarbeitenden und Verbesserungen bei den Kommunikationswegen – der Besuch zeigte, dass Barrierefreiheit weit über bauliche Maßnahmen hinausgeht. Der Dialog soll deshalb fortgesetzt werden.

Bild oben: Sieben Mitglieder des Behindertenrats der Stadt Nürnberg trafen sich mit Mitarbeitenden des Klinikums aus Pflege, Altersmedizin, Patientenaufnahme und Unternehmenskommunikation.

Fotos: Isabel Lauer, Klinikum Nürnberg